Prozesskrane für teilautomatisiertes Tambourhandling und Maschinenwartung

Zuverlässige Kran- und Hebetechnik bilden eine tragende Säule in den Produktionsprozessen einer Papierfabrik. Dabei sind Krananlagen nicht nur unentbehrliche Helfer für die Wartungsarbeiten an den Aufbereitungs- und Produktionsanlagen. Als wesentliches Bindeglied zwischen Herstellung und Rollenschneider können Prozesskrane die Logistik der Voll- und Leertamboure übernehmen und schaffen so die Voraussetzung dafür, dass die Papiermaschine kontinuierlich Höchstleitungen erbringen kann. Die Papierfabrik Perlen Papier AG setzt dabei auf Krantechnik von Demag Cranes & Components.

Planmässiger Aufbau der Papiermaschine PM7 mit Demag Prozesskranen
Rund eineinhalb Jahre nach dem Spatenstich hat die Perlen Papier AG den Hochlauf der neuen Papiermaschine PM7 starten können. Neben der grossen logistischen Herausforderung im gesamten Baustellenbereich war ein exaktes Timing für den Aufbau der Papiermaschine notwendig. Dazu bedurfte es einer zuverlässigen Hebetechnik, mit der die einzelnen Komponenten der PM7 sicher befördert und exakt positioniert wurden.

Um die Maschinenteile, deren Einzelgewichte sich zu mehr als 10.000 Tonnen summieren, sicher zu bewegen, wurde bereits frühzeitig die notwendige Krantechnik auf einer Bahn oberhalb der Papiermaschine installiert. Zwei Prozesskrane von Demag Cranes & Components, die seit der Inbetriebnahme der PM7 für das Tambourhandling und für die Maschinenwartung eingesetzt werden, waren somit bereits massgeblich am Aufbau der Papiermaschine beteiligt.

Krane mit fünf Hubwerken: für jeden Einsatz gerüstet
Über der PM7 verfahren zwei Zweiträger-Laufkrane, die in weitgehend identischer Bauweise ausgeführt sind. Beide Krane mit einem Spurmittenmass von 30,50 Metern sind mit jeweils fünf Hubwerken ausgestattet, von denen drei als offene MultiPurposeWindwerke (MPW) ausgelegt sind. Diese Krananlagen verfügen über eine Tragfähigkeit von jeweils 125 Tonnen. Für den Transport von Volltambouren werden die beiden äusseren 63-Tonnen-Hubwerke eingesetzt; dabei fährt die mittige 125-Tonnen-Katze parallel mit.

Bei Wartungsarbeiten an der Papiermaschine werden die drei Hauptkatzen benötigt, insbesondere die 125-Tonnen-Katze, um bei einem Walzenwechsel die Maschinenwalze aus der Maschine herauszudrehen. Für den gemeinsamen Einsatz der 63-Tonnen-Katzen sind die Hubwerke mit einer Master-Slave-Funktion ausgestattet, die eine absolut synchrone Hubbewegung sicherstellt und somit hohe Betriebssicherheit gewährleistet.
Die raumsparende Bauweise der Demag MPW-Windwerke ermöglicht geringe seitliche Anfahrmasse, so dass Maschinenteile oder Antriebe auf der Triebseite der Papiermaschine erreicht werden können.

Die Haupthubwerke verfügen über stufenlos regelbare Antriebe. Ausserdem wird bei Betrieb ohne Last eine höhere Geschwindigkeit erreicht. Durch diese technische Lösung können die Krananlagen effizienter genutzt werden, da die Zeiten für Leerfahrten wesentlich verkürzt werden.

Mit zwei weiteren 10-Tonnen-Hubwerken verfügen die Krananlagen über die notwendige Flexibilität, um für sämtliche Reparatur- und Wartungsaufgaben gerüstet zu sein. Die beiden Seilzüge der Baureihe DR-Pro sind als Winkelkatzen ausgeführt und verfahren seitlich entlang der Kranträger. Aufgrund ihrer kompakten Bauweise werden sie für den Ein- und Ausbau von bis zu zehn Tonnen schweren Maschinenteilen eingesetzt. Im Gegensatz zu konventionell ausgeführten Unterflanschkatzen, die seitlich an einem separaten I-Profil verfahren, verfügen die Winkelkatzen bauartbedingt über einen wesentlich grösseren Hubweg und ermöglichen ausserdem eine bessere Wartungsmöglichkeit des Hubwerkes und der Katzfahrantriebe.

Sichere Kranfahrt durch Teilautomatisierung
Die PM7 produziert rund 1.900 Meter Papier pro Minute mit einer Breite von 9,60 Metern. Im Stundentakt nimmt die Krananlage über dem Trockenteil der PM7 die 115 t schweren Volltamboure mit einer Traverse auf und transportiert sie zum Rollenschneider. Um die sich wiederholenden Hub- und Transportvorgänge zuverlässig zu gewährleisten, wurde der Kran mit einer Teilautomatik für das Tambourhandling ausgerüstet. Dazu verfährt der Bediener die Krananlage per Funksteuerung in die Nähe der definierten Aufnahmepositionen für Volltamboure und betätigt dauerhaft einen Taster. Nun positioniert die Automatik den Kran und die Hauptkatzen auf die exakten Zielkoordinaten und übernimmt selbständig die folgenden Aktionen:

Prozesskrane für Tambourhandling und Maschinenwartung

 

  • Absenken der Traverse bis zur Zielposition
  • Einfädelung der Traverse
  • Überprüfung der sicheren Lastaufnahme an der Traverse
  • Heben bis zur höchsten Hakenstellung

Nach der Kranfahrt über einen der beiden Rollenschneider übernimmt die Teilautomatik dort die exakte Zielpositionierung des Volltambours. Nachfolgend werden mit dem Kran die Leertamboure aufgenommen und im Tambourspeicher der Maschine abgelegt.

Die automatische Höhenkoordination zur Auf- und Abnahmefahrt wird durch lasergesteuerte Entfernungsmessgeräte gewährleistet, die permanent die Positionierung von Kran und Hauptkatzen überwachen.

Der über dem Nassteil der PM7 installierte Prozesskran wurde mit drei unterschiedlichen Lasttraversen geliefert, die für die Aufnahme der verschiedenen Maschinenwalzen dimensioniert wurden. Neben zwei starren Traversen wurde die dritte als motorisch drehbare Variante realisiert. Mit dieser Traverse werden die Formier-, Siebsaug- und Kalanderwalzen zunächst aus der Maschine gehoben und über die Freifläche parallel zur PM7 verfahren, um dort um 90 Grad gedreht abgelegt zu werden.

Krane und Arbeitsstationen

An weiteren Arbeitsstationen der Papierfabrik installierte Demag Cranes & Components weitere Zweiträger-Laufkrane vom Typ ZKKE, die vornehmlich für Wartungsaufgaben eingesetzt werden: in der Altpapier-Aufbereitungsanlage „ALPA II“, über der Rollenpackanlage, in der Vakuumanlage und in der Stoffauflösung. Diese Krane verfügen über Spurmittenmasse zwischen 8,3 und 28,5 Metern und sind mit Seilzügen für Traglasten von bis zu 20 Tonnen ausgestattet. Zudem hat das Unternehmen 28 weitere Arbeitsstationen in den Bereichen der Papiermaschine und Altpapieraufbereitung mit Seil- und Kettenzügen ausgerüstet, die für Traglasten von 0,25 – 10 Tonnen ausgelegt sind.

 

 

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